Lausitzer Braunkohle ist zukunftsfähig
Cottbus Die ostdeutsche Braunkohle kann auch künftig im Mix mit erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes Prognos, die unter anderem der Energiekonzern Vattenfall in Auftrag gegeben hatte. Sie zeigt auch, wie stark die Lausitz noch immer von der Braunkohlewirtschaft abhängig ist.

Ein Mitarbeiter des Energiekonzerns Vattenfall zeigt im Tagebau Reichwalde in der sächsischen Lausitz auf die Abraumförderbrücke.
Foto: Norbert Millauer (dapd)
Die ostdeutsche Braunkohle kann einer Auftragsstudie zufolge auch künftig eine wichtige Rolle bei der Stromerzeugung spielen - im Mix mit einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien. Ihre Stärken seien Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, heißt es in einer Expertise des Wirtschaftsforschungsinstitutes Prognos, die am Dienstag in Cottbus vorgestellt wurde. Der Energiekonzern Vattenfall Europe und die Mitteldeutsche Braunkohlen AG (Mibrag) hatten sie in Auftrag gegeben.
Demnach lässt sich der Klimaschutz langfristig durch die CCS-Technik zum Verpressen des abgetrennten Kohlendioxids bei der Kohleverbrennung erreichen. Zugleich habe die Braunkohlenindustrie das Potenzial, über Jahrzehnte mit Milliarden-Investitionen und zehntausenden Arbeitsplätzen die ostdeutsche Wirtschaft zu stärken.
Der Brandenburger Umweltverband Grüne Liga kritisierte die Studie als «Verzweiflungstat des Stromkonzerns». Am schrittweisen Ausstieg aus der Braunkohle werde kein Weg vorbeiführen, hieß es. Braunkohlekraftwerke seien als Brückentechnologie ins Zeitalter der erneuerbaren Energien nicht geeignet.
«Mit den ehrgeizigen Klimaschutzzielen der Bundesregierung eröffnen sich mehr Chancen für die Braunkohle, die wir auch für die Region nutzen wollen», sagte Hartmuth Zeiß, Vorstandschef der in Cottbus ansässigen Bergbau- und Stromsparte des Energiekonzerns Vattenfall Europe. Allerdings müsse jetzt gehandelt werden, um das Zeitfenster von etwa 20 Jahren für die Umrüstung der Kohlekraftwerke mit der neuen CCS-Technik zu nutzen. Im Bundesrat war das CCS-Gesetz Ende September wegen einer Ausstiegsklausel durchgefallen, nun sucht der Vermittlungsausschuss der Länderkammer nach einem Kompromiss.
Auch für den Wirtschaftsraum um Leipzig und Halle bleibe die Braunkohlenindustrie der wirtschaftliche Kern, erklärte Joachim Geisler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Braunkohlen AG (Mibrag) mit Sitz in Zeitz (Sachsen-Anhalt). Mit dem für 1,3 Milliarden Euro geplanten Braunkohlenkraftwerk in Profen wolle man dieses Engagement weiter ausbauen.
Der Studie zufolge sichert die Braunkohlenindustrie im Osten direkt und indirekt 33 500 Arbeitsplätze. Allein in Brandenburg sind 16 000 Beschäftigte und in Sachsen 10 500 mit diesem heimischen Bodenschatz verbunden. Als Auftraggeber und Investor sei dieser Industriezweig mit einer Wertschöpfung von 2,4 Milliarden Euro im Jahr einer der bedeutendsten regionalen Wirtschaftsmotoren.
«Bei allen untersuchten Szenarien gibt es ein wirtschaftlich stabiles Umfeld für die Braunkohle in den nächsten 20 Jahren», sagte Rainer Knauber, Vattenfall-Generalbevollmächtigter Berlin/Neue Bundesländer. Um die Klimaschutzziele zu ereichen, müsse Deutschland mit den anderen europäischen Ländern zusammenarbeiten, sagte der Prognos-Projektleiter Frank Peter. «Dieses Szenario haben wir bereits in der Studie eingearbeitet.»
dpa/boc
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